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In funkelnden Farben

Großes Wetterglück bei 60. Geburtstag des Porsche Clubs Berchtesgaden – 70 Fahrzeuge am Start

Aus dem „Reichenhaller Tagblatt“ von Hans-Joachim Bittner

Berchtesgadener Land. Die Berge erstmals wieder „leicht angezuckert“, der Himmel tiefblau, das Laub der Bäume teilweise bereits intensiv Rot und Gelb leuchtend: Pünktlich zum 60. Geburtstag des Porsche Clubs Berchtesgaden (PCB) stellte sich nach einer sehr durchwachsenen Woche traumhaftes Herbstwetter ein. „So hatten wir es bestellt“, strahlte Organisator Joachim Althammer aus Ainring begeistert übers ganze Gesicht. Er durfte 130 Teilnehmer begrüßen, die in 70 schmucken Fahrzeugen angereist waren. Der Start der dreitägigen Veranstaltung unter dem Motto „Alpenglühen“ erfolgte am Hans-Peter Porsche Traumwerk in Aufham bei Anger (wir berichteten kurz). Bernd Buchwinkler, Ex-Präsident und heute Ehrenvorsitzender des PCB, fungierte einmal mehr als Starter am Traumwerk sowie tagsdrauf am Berchtesgadener Schlossplatz. Die weiteste Anreise nahmen Teilnehmer aus Husum auf sich.

Nach dem Begrüßungsabend tags zuvor führte die erste Ausfahrt die stolzen Porsche-Besitzer in den Chiemgau. Bei blau-weißem Firmament hätten die Bedingungen nicht besser sein können, in Feldwies am Chiemsee wurde zünftig eingekehrt. Übers Tirolerische ging‘s zurück ins Berchtesgadener Land, purer Genuss war ein „Bayerischer Abend“ mit Traum-Ausblick am Jenner. Tagsdrauf durfte die Berchtesgadener Bevölkerung die Boliden besichtigen und den anschließenden Start am Schlossplatz beobachten. Nun führte die Route übers Roßfeld ins Salzkammergut, vorbei an Obertrumer-, Waller-, Mond- und Wolfgangsee. Zur Mittagspause fanden sich alle am Latschenwirt bei Großgmain ein.

Die Freunde der schnittigen Vier- und Sechszylinder aus Stuttgart, die in allen Farben in der Sonne funkelnden, kamen voll auf ihre Kosten: Das älteste Fahrzeug steuerten Georg Schöndorfer und Constantin Moderegger aus Berchtesgaden, die einen schwarzen 356 1500 Super von 1953 an den Start brachten. Nur zwei Jahre jünger: Das 356 PRE-A Coupé von Beate und Niklas Viehof aus dem Ruhrgebiet. Die meisten „Pferdestärken“ – stolze 607 – brachten Meike und Clemens Huck aus Planegg mit ihrem 991 Turbo S von 2017 auf den Asphalt, unter der Heckhaube satte 3800 Kubikzentimeter. Mit den wenigsten PS, gerade mal 55, kam Familie Viehof in ihrem erwähnten Coupé aber ebenfalls bestens zurecht. Ein besonderer Hingucker, weil extrem auffallend: Das knallgelbe 964 WTL Cabrio von Ingrid und Manuel Zepf von 1992, 250 PS-stark.

Als besondere Ehrengäste begrüßte Moderator Helmut Helmberger, Schriftführer des Vereins, Ilse Nädele, ehemalige Präsidentin des Porsche Clubs Deutschland (PCD) und mittlerweile Ehrenpräsidentin. Erwin Pfeiffer, aktueller Tourenwart des PCD, war ebenfalls mit dabei. Zur Begrüßung am Abend zuvor wohnten Landrat Bernhard Kern und Rallye-Legende Walter Röhrl der Veranstaltung bei: „Für mich eine Selbstverständlichkeit“, so der 74-Jährige, weil „Porsche für mich die emotionalste Automarke ist“.

Fünf Männer gründeten

den Verein 1961

Am 16. Oktober 1961 gründeten Walter Hausenblas, der erste Präsident, Hans Buchwinkler, Wolfgang Kortenacker, Kurt Müller und Adolf Wendlinget den südöstlichsten Porsche Club des Landes. Innerhalb kurzer Zeit kamen 21 Mitglieder dazu. Die erste Veranstaltung war ein Jahr später ein Geschicklichkeitsturnier in der Kaserne. Der Bewerb konnte dank US-Botschafter Stanley Jeffers – Mitglied des Vereins – durchgeführt werden. Pylonen gab es damals noch nicht, deshalb gaben leere Öldosen die Richtung vor. Zehn Damen und 27 Herren waren mit dabei. Der erste Ausflug führte die Porsche-Freunde aus Berchtesgaden im gleichen Jahr zu einem Skitreffen an den Arlberg. Über Nacht wurden die Fahrzeuge eingeschneit und am nächsten Tag so manch falsches Auto ausgeschaufelt. 1963 gab es am Königssee-Parkplatz den Internationalen PCB-Slalom mit 47 Teilnehmern, viele Jahre fand dieser im Anschluss stets im Herbst statt. Bis heute folgten unzählige Veranstaltungen, Rennen, Ausflüge, Empfänge von Olympia- und WM-Teilnehmern in den Siebziger- und Achtziger-Jahren mit Porsche-Konvois, Fahrerlehrgänge am Salzburgring und sonstige Zusammenkünfte, vor allem die gemütlichen Grillabende avancierten zur liebgewonnenen Tradition.

Ein besonderes Event war die TV-Übertragung von „Sport heute“ 1971: Eisschnelllauf-Olympiasieger Erhard Keller trat in Inzell auf seinen Schlittschuhen gegen den heutigen PCB-Ehrenvorsitzenden Bernd Buchwinkler an, der in einem Porsche 911 mit Spikes am Start war. Keller gewann, weil er zu Beginn schneller war und seinen Vorsprung bis ins Ziel verteidigen konnte. Besonders lustig war ein Ereignis 1972: Ein Metzgermeister fuhr beim Slalom am Königssee mit, im Ziel musste er stark abbremsen. Dadurch öffnete sich der Kofferraumdeckel vorn und dutzende Weißwürste, für das anschließende Essen des Vereins, gedacht, suchten sich ihren Weg ins Freie. Der Streckenposten hing diese schließlich an einem nahen Baum auf. 1989 versenkte ein PCB-Mitglied seinen 911er in der Donau, der gute Schwimmer und Taucher kam aber mit dem Schrecken davon.

Auch „fremden“

Sportarten zugetan

Auch „fremden“ Sportarten gegenüber zeigten sich die Mitglieder des Jubiläumsvereins stets zugetan: Sommerrodeln am Zinken sowie richtige Rodel-Rennen und Gäste-Bobfahrten in der Königsseer Kunsteisbahn gehörten genauso zum Programm wie Luftgewehrschießen, Eisstockschießen, Schneegolfen oder Gokart-Fahren, selbst auf Eis und Schnee.

2020, mitten in der Corona-Phase, übernahm Joachim Althammer aus Ainring von Gerd Böhmer den PCB-Vereinsvorsitz. Unter seiner Regie fand das Jubiläumswochenende statt, 25 Helfer standen ihm zur Seite. Das umfangreiche Programm wurde durch „Sonderprüfungen“ abgerundet: Unter anderem mussten die Teilnehmer raten, wieviele aufgeblasene Luftballons sich in einem 911er RSR von PCB-Sportleiter Christian Neunemann befanden. Dazu gab’s „Baujahre zu Automodellen ordnen“, „Reifenumfang schätzen“, „eine Kuh melken“ oder „Schrauben und Muttern zusammenfügen“.

Althammer resümierte zufrieden: „Eine rundum gelungene Veranstaltung ohne Unfälle und Pannen. Die Teilnehmer aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich waren allesamt begeistert. Viele von ihnen werden ins Berchtesgadener Land zurückkehren, um hier mal Urlaub zu machen.“ Ein Gala-Abend im AlpenCrongress Berchtesgaden beschloss die kurzweiligen drei Tage.

ENDE
 

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