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Eine persönliche Einladung von Dr. Heinz Rabe, Sohn des langjährigen Porsche Chefkonstrukteurs Karl Rabe und selbst langjähriger leitender Mitarbeiter der Porsche AG zu einem gemeinsamen, privaten Besuch des Porsche Museums ist etwas ganz Besonderes. Wenn dann noch familiäre Anknüpfungspunkte durch die Orte Pottendorf im Bezirk Baden bei Wien als Heimatort des großen Konstrukteurs Karl Rabe und die Stadt Wiener Neustadt als Wiege von Austro Daimler, aber auch die Universitätsstadt Graz hinzukommen, dann verspricht ein Besuch in Stuttgart nicht nur etwas Besonderes zu sein, dann ist etwas Einzigartiges zu erwarten.

Nachdem wir in Graz um 5 Uhr früh gestartet waren, erreichten wir Stuttgart knapp nach 11 Uhr. Dr. Rabe erwartete uns bereits in seiner Villa und wir konnten uns mit frischen fruchtigen Erdbeeren stärken. Es folgte ein gemeinsames Mittagessen im Solitude Stüble mit bester schwäbischer Hausmannskost. Dann schnell eingecheckt im Hotel und los geht’s zum imposanten und vom österreichischen Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects entworfenen Museumsbau mit seinen rund 80 emotionalisierenden Exponaten.

Wir werden schon erwartet und herzlich willkommen geheißen, wir bekommen einen eigenen Guide und eh wir uns versehen, stehen wir in der Museumswerkstatt, wo sämtliche Exponate regelmäßig gewartet und betriebsbereit gehalten werden, Fahrzeuge für Rennen und Ausfahrten präpariert werden.

Während Herr Förch vom Museum Wissenswertes zu den Exponaten erzählte, vermittelte Dr. Rabe einzigartige Einblicke in die bewegte Karriere seines Vaters Karl Rabe und in den Aufbau der Firma Porsche. Karl Rabe maturierte im Jahr 1913 in Wiener Neustadt und begann noch im gleichen Jahr als junger Ingenieur bei den in Wiener Neustadt ansässigen Austro Daimler Werken, wo Ferdinand Porsche bereits als technischer Direktor tätig war. Eine schicksalhafte Begegnung, die die beiden Familien bis heute verbindet. Während Ferdinand Porsche später zu Daimler nach Stuttgart wechselt und bereits 1924 die Ehrendoktorwürde der TH Stuttgart erhalten hatte, geht Karl Rabe zu den Steyr Werken, wo die beiden Ingenieure einander wieder treffen. Als im Januar 1931 Ferdinand Porsche in Stuttgart ein selbständiges Konstruktions- und Entwicklungsbüro eröffnete, war es fast selbstverständlich, dass ihm Karl Rabe nach dort folgte und die Stelle des Chefkonstrukteurs der Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH übernahm. In dieser Position war Karl Rabe bis zu seiner Pensionierung 1965 tätig. Im neu gegründeten Porsche-Konstruktionsbüro entstanden zahlreiche breit gefächerte Neukonstruktionen, an denen Karl Rabe maßgeblich beteiligt war. Besonders erwähnenswert ist dabei seine Arbeit am Cisitalia Rennwagen mit 12 Zylinder Motor und zuschaltbarem Allradantrieb, den er ohne Beisein Ferdinand Porsches fertig stellte, nachdem Porsche in Frankreich gefangen genommen worden war und verpflichtet wurde, am Renault 4CV mitzuwirken. Der Cisitalia Auftrag brachte Geld in die Kassen des Konstruktionsbüros, das seit 1944 in Gmünd in Kärnten angesiedelt war– und ermöglichte die Konstruktion und serienreife Entwicklung des ersten Porsche Sportwagens, der 1948 offiziell präsentiert wurde.

1950 kehrte die Firma wieder nach Stuttgart zurück, obwohl das Werk 1 zunächst noch besetzt war, aber bei der Firma Reuter mietete man Räume an. 1964 wurde die Firma Reuter mit 1000 Beschäftigten von Porsche übernommen. Mit dem Bau des Werks 2 für Produktion und Verwaltung neben dem Karosseriewerk Reuter beginnt 1951 eine neue Ära. Porsche ist ab jetzt nicht mehr nur Konstruktionsbüro, sondern auch Produktionsbetrieb für die eigenen Sportwagen. Ferry Porsche hatte die Leitung des Unternehmens übernommen und führte es zur heutigen Weltfirma. Sein Vater Ferdinand konnte diese Erfolge nicht mehr miterleben Er verstarb am 30. Januar 1951.

Oberingenieur Karl Rabe blieb nach dem Tode von Ferdinand Porsche 1951 auch unter der Leitung seines Sohnes und Nachfolgers Ferry Porsche als Chefkonstrukteur und Prokurist dem Unternehmen Porsche aufs engste verbunden. Neben der Weiterentwicklung der Porsche-Sportwagen-Typen hatte Karl Rabe auch an der Konstruktion von Stationärmotoren und der bekannten luftgekühlten Porsche-Diesel-Traktoren, die von 1956 bis 1963 bei der Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH Friedrichshafen am Bodensee gefertigt wurden, sowie an zahlreichen Auftragsentwicklungen für in- und ausländische Automobilhersteller maßgeblichen Anteil.

1965 trat Karl Rabe, seit 1957 Ehrensenator der Technischen Hochschule Stuttgart, in den Ruhestand, er blieb jedoch bis zu seinem Tode persönlicher technischer Berater von Ferry Porsche. Karl Rabe verstarb am 28. Oktober 1968 in Korntal-Münchingen bei Stuttgart, einen Tag vor seinem 73. Geburtstag. Karl Rabe war verheiratet und hatte drei Söhne, von denen jedoch nur unser Gastgeber, Heinz, als Jahrgang 1931 genauso alt wie die „Firma“ auch in diese eintrat. Ferdinand Porsche ist sein Taufpate, doch Techniker wollte Heinz nicht werden. Er studierte Jus und promovierte zum Dr.iur. in Graz und begann als Mitarbeiter in der Personalabteilung, wurde später deren Chef und mit Umgründung in die Porsche AG Leiter des Sozialwesens, wo er zahlreiche richtungsweisende Neuerungen einführte. Seit seiner Pensionierung ist er als Konsulent für Porsche tätig und jeden Tag im Archiv von Porsche anzutreffen, wo er die Tagebücher seines Vaters, die dieser in Sütterlin verfasste, übersetzt und in den Computer eingibt. 20 Tagebücher, die 34 Jahre Automobilgeschichte von Porsche beinhalten. Mittlerweile ist er im Jahr 1959 angelangt. Daneben hält er Vorträge, am Tag nach unserem Besuch anlässlich „50 Jahre Porsche in Weissach“, begleitet Kundenveranstaltungen, so zum Beispiel im Sommer auch zweimal nach Österreich – selbstredend auf den Katschberg und nach Gmünd und selbstredend im 911er (993). Dem noch nicht genug ist Dr. Heinz Rabe Ehrenpräsident des Vereins der Auslandsösterreicher in Baden Württemberg und Ehrenmitglied im Verein „Sektion Austro Daimler“ in Wiener Neustadt. Infos unter www.austrodaimler.at

 

(Dr. Heinz Rabe verstarb am Freitag, 19. Juli 2013. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.)

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