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Ottocar ist ein Gentleman Driver der alten Schule. Und ein Sammler, den die Leidenschaft für das Automobil seit Jahrzehnten an die Marke Porsche bindet. 80 Porsche Fahrzeuge hat das österreichische Porsche Clubmitglied im Laufe seines Sammlerlebens besessen. Das 80. Exemplar, ein Boxster Spyder der aktuellen Generation, holte er anlässlich seines diesjährigen 80. Geburtstages gemeinsam mit dem Porsche Community Management selbst in Zuffenhausen ab.

Ottocar hat viele Geschichten zu erzählen. Wie eine Perlenkette ziehen sich Erlebnisse, Menschen, Fahrzeuge, Begegnungen durch ein halbes Jahrhundert Porsche Leidenschaft. Es ist ein wahres Vergnügen, dem charmanten Österreicher mit dem markanten Wiener Dialekt zu lauschen. Er hat viel erlebt, hatte das Glück in seinem Leben oft auf seiner Seite. Doch er musste immer auch viel arbeiten. „Von nichts kommt nichts. Alles, was ich erreicht habe, habe ich durch Glück oder durch viel Arbeit erreicht“, erklärt uns Ottocar, als wir ihn und seine Sammlung besuchen. Vielleicht ist es überhaupt besser, von Fügung statt von Glück zu sprechen. Das Automobil, das liegt dem Österreicher in den Genen. Die mütterliche Seite geht zurück auf Nikolaus August Otto, den Erfinder des Verbrennungsmotors. Dort liegen auch die Wurzeln seiner Leidenschaft für die Fliegerei, ebenfalls ein Ottocar-Sammelgebiet. Aber auch Fügung, weil die heutige Sammlung über viele Wege, Wendungen und Kurven zu ihm gefunden hat. „Ich habe die Fahrzeuge nicht ausgewählt, die Fahrzeuge sind zu mir gekommen“, sagt er und beteuert, nichts gesucht zu haben. „Anfangs wollte ich Fahrzeuge oft unbedingt kaufen – und dann waren sie weg. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Lass’ das auf dich zukommen.“ Das Geheimnis sei, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein. Und die finanzielle Entscheidungsfreiheit zu haben. „Wenn einer dieser Faktoren fehlt, wird es nichts.“

Wenn er in seinem „Wohnzimmer“ sitzt, so nennt er seine Fahrzeughalle, schaut er auf Pokale und Trophäen seiner zahlreichen Einsätze mit seinen Rennfahrzeugen. Er schaut auf den Kronleuchter seiner Urgroßmutter, schaut auf die Erinnerungsstücke an Menschen, die ihn begleitet haben, die er im Laufe seines automobilen Sammler- und Clublebens getroffen, kennen- und schätzen lernte. Er nennt es deshalb Wohnzimmer, „weil man da über einen Teppich hineingeht und in einer Sitzgruppe an einem Tisch aus einem 911er-Motor sitzt“. Und er hat hier seine „Läden“ um sich herum: „Mein Café und meine Welt – da sitze ich im Prinzip auf meiner Straße. Das ist für mich meine Freiheit.“ Denn liebevoll hat Ottocar an den Wänden Ladeneingänge, Werkstatttüren, Schaufenster und Werbedisplays einbauen lassen: Ottocars Spielwarenladen bietet allerhand Modelle an, „Käfers“ Werkstatt den perfekten, wohlfeilen Service. Es gibt einen Antiquitätenladen und ein Kino: Im Aushang, „Le Mans“. In einer Vitrine liegen sorgsam aufbewahrt eine der Schiebermützen und einige Stofftaschentücher von Ferry Porsche. In erster Linie sitzt er hier aber zwischen seinen Fahrzeugen und lässt sich die Anekdoten dazu durch den Kopf gehen: „Jedes Fahrzeug hat seine Geschichte und ist eine Erinnerung an Vergangenes. Und jedes hat einen Bezug zu einem anderen Fahrzeug: Dieses habe ich gekauft, weil ich das andere verkaufte. Eigentlich kann ich mich ja nur ganz schwer von Dingen trennen, aber auch das musste immer wieder mal sein“, erzählt er aus seiner Sammlergeschichte, die aus kleinen Anfängen Großes schuf.

Denn als sich Ottocar 1972 den ersten Porsche kauft, denkt er noch nicht ans Sammeln. Nach Studium in England und Einstieg ins Bauingenieurwesen arbeitet er in Deutschland, später in Österreich. In England kauft er sich als Student sein erstes Fahrzeug – für 10 Pfund. An Porsche zu denken war damals noch ausgeschlossen, auch weil sein Herz für die britischen MGs schlug. „Eigentlich wollte ich immer einen MG besitzen. Aber das war viel zu teuer und nicht machbar. Und Porsche war damals für mich als Student sowieso unerschwinglich, auch gebraucht.“ Denn: „Als Student hast du ja nichts.“ Als er ins Berufsleben einsteigt, arbeitet er abends zusätzlich als Tankwart. Vom hart erarbeiteten Geld kauft er letztlich seinen lang ersehnten MG-A. „Damit fuhr ich dann Flugplatzrennen in Wien-Aspern. Ich trug dann immer meinen Tankwartanzug. Damit musste ich keinen Eintritt zahlen und alle dachten, ich gehöre dazu.“ Bei den Rennen sind ihm damals die Porsche 356er um die Ohren gefahren; was letztlich zu Ottocars Erkenntnis führte: „Ich muss jetzt einen Porsche haben.“

Erst einmal kam aber Familie und Haus und damit verbunden, viel weitere Zeit zum Sparen. 1972 konnte er sich dann endlich den ersten Porsche leisten, einen 911 E in Speedgelb, das sogenannte Ölklappen-Modell. „Rennen zu fahren, lag allerdings erst mal nicht drin. Ich musste damals einfach viel arbeiten.“ 1977 kauft er sich seinen zweiten Porsche, einen roten Carrera mit 3.0 Liter und 200 PS. Das ist auch das erste Fahrzeug, das er direkt im Werk abholt. „Das war damals noch eine ganz einfache Angelegenheit. Schlüsselübergabe, Händedruck, fertig!“ Von da an ist er bei Porsche geblieben. „Es hat für mich einfach keine Alternative gegeben. Bei einem Porsche weiß ich, da steige ich in der Früh’ ein und er fährt. Und wahrscheinlich habe ich geahnt, dass sich das gut entwickeln wird – ohne es gewusst zu haben, aber, ich muss das gespürt haben.“

Und so fängt Ottocar an, ganz gemäß seinem Sammlercharakter, Porsche Fahrzeuge zusammen zu tragen. Anfang der 80er Jahre kauft er jeden RS, der zu haben war. „Die haben damals ja nichts gekostet. Keiner hatte daran Interesse gehabt.“ Neun Stück hat er davon besessen. Als die Fahrzeuge im Wert steigen, verkauft er mal einen, mal zwei. „Immer bei gutem Wind. Und damit konnte ich dann wieder andere interessante Fahrzeuge kaufen.“

In den 90er Jahren lebt Ottocar zeitweise in Amerika und findet Anschluss an die dortige Sammler- und Porsche Gemeinde. Und findet: interessante Fahrzeuge. Damals waren die USA ein Eldorado für Porsche Enthusiasten, die auf der Suche nach Rennfahrzeugen waren. „Das ging ja alles nach Amerika. Hier in Europa wollte die Fahrzeuge niemand haben und so landeten die meisten Fahrzeuge bei US-amerikanischen Sammlern, die die Schätze gehortet und auch in Schuss gehalten haben.“

Und wieder gilt, die Fahrzeuge sucht Ottocar nicht, sie kommen zu ihm. Aus der Suche nach einem Motor ergibt sich die Möglichkeit, Fahrzeuge aus der Sammlung Vasek Polak zu kaufen. Ottocar tauscht Aktienpakete gegen Fahrzeugpakete. Darunter ein 917 und ein 935. „Ich habe die Fahrzeuge damals nicht als Spekulationsobjekte gekauft. Ich habe mir immer gesagt: Ich sammle jetzt so etwas und habe meinen Spaß daran. Wie sich die Preise dann entwickelten, konnte keiner ahnen. Ich ging meinem Gefühl nach. Ich wollte das einfach.“

Das gleiche Gespür hat er ein paar Jahre später, als sich die Möglichkeit auftut, aus der Sammlung Mazuda Fahrzeuge zu kaufen. Aus dieser stammen sein 956 und ein 908, den er aber später wieder verkauft. Auf gleichem Weg kam der 910 zu ihm. „Eigentlich war ich in Amerika auf der Suche nach einem 906.“ Ein Händler hatte einen, fragte aber, ob er denn nicht für den gleichen Preis einen 910er kaufen wolle. „Es war der originale und sehr seltene Acht-Zylinder-910er von Gerhard Mitter.“ Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – eine immer gültige Sammlerweisheit.

Zu den Porsche Clubs kam Ottocar genauso wie zu Porsche überhaupt: über Amateur-Rennveranstaltungen entdeckte er die Leidenschaft für die Rennerei. Und die Porsche Clubs boten die Möglichkeiten dazu an. „Ich wollte immer auf die Rennstrecken. Und die österreichischen Clubs haben Trainings und Lehrgänge auf verschiedenen Rennstrecken angeboten. Da wärst du sonst nicht drauf gekommen.“ Und einmal bei den Clubs, bleibt er bei den Clubs. Und auch der Leidenschaft für die „Rennerei“ ist er bis heute treu geblieben: Seine Rennfahrzeuge stehen nicht nur in der Halle herum, sie sind nicht nur im Originalzustand – sondern vor allem auch fahrbereit. „Gerade mit dem 910 bin ich viel gefahren, vor allem die historischen Bergrennen. Es ist dafür das ideale Auto.“ Im Laufe der Jahre war Ottocar viel unterwegs in Europa, etwa in Rossfeld, Gaisberg, Salzburg. Im Histo-Cup kommt er viel in der Welt herum – von Ungarn bis England führen ihn seine Einsätze bei den Classic-Rennen. In den Staaten fährt er in Sebring und Daytona in den Historic Sports Car Races. Vor allem seinen 917. „Den 917er hab’ ich wahnsinnig viel gefahren. Der war ursprünglich im Besitz von Ernst Kraus, der damit als Privatfahrer sehr erfolgreich gefahren ist. Dann hat ihn Vasek Polak 1975 gekauft und ist damit noch CanAm mit Mit Minter und Georg Follmer gefahren.“ Und Ottocar gewinnt oft mit seinen automobilen Schätzen. Die vielen Pokale erzählen von einem immens erfolgreichen Gentleman Driver. „Ich habe halt immer schnelle Autos besessen und habe dadurch viel gewonnen. Aber, ich hatte auch immer eine gute Betreuung – durch Helmut Frauenschuh.“ Den „Käfer“, den legendären Rennmechaniker von Porsche in Le Mans. „Der Käfer war selbst in Amerika mein Mechaniker. Er hat durch seine perfekte Betreuung die guten Plätze und Platzierungen erst ermöglicht.“

Mit dem 917er ist er auch heute noch regelmäßig auf Classic-Rennveranstaltungen unterwegs. Auf dem Fahrzeug liegt aktuell als Trophäe ein Siegerkranz des diesjährigen Ventilspiels auf dem Red Bull Ring. „Da meinten die Zuschauer, wenn so ein alter Herr mit so einem Wahnsinnsauto noch so schnell fährt, dann ist er der Held des Tages.“ Das mit der Rennerei sieht er inzwischen allerdings etwas lockerer. „Früher bin ich ernsthafter gefahren, heute fahre ich mit dem 917er so, wie es mir Spaß macht“, sagt er. „Aber: Wenn ich ihn mit 70 Prozent fahre, bin ich immer noch der Schnellste.“

Überhaupt: Fahren, das ist für Ottocar das Wichtige. Für die rund neun Tagesfahrzeuge, mit denen er unterwegs ist, hat er eine eigene Garage. Zu den Fahrzeugen zählen ein 911 R, ein 911 Typ 991 Speedster und zwei Boxster Spyder der letzten beiden Generationen. Mit dem Boxster Spyder Typ 981 fährt er am liebsten. „Der Sound, wie er geht, wie er liegt, alles, was er macht. Er erinnert mich als einziger an meinen geliebten 910er von Gerhard Mitter“, erzählt Ottocar. „Wenn ich die Augen schließe, kann ich mir vorstellen, dass ich in meinem 910er sitze.“ Es ist so, manchmal sind die großen Dinge des Lebens ganz einfach: „Ich fahre einfach gerne und genieße das auch. Ich weiß manchmal nicht, wo ich hinfahre, aber ich weiß, ich bin schneller dort.“
 


Ottocar ist viel auf internationalen Club Veranstaltungen und in der Porsche Club Szene unterwegs, „weil es Spaß macht, sich gemeinsam mit langjährigen Porsche Freunden über die Begeisterung für Porsche auszutauschen“, berichtet er. Man kenne sich über viele Jahre hinweg, habe viel zusammen erlebt, pflege die gleiche Leidenschaft und sei eine eingeschworene Gemeinschaft. Ursprünglich gehörte er zum Porsche Club Wien, heute ist er Mitglied im Porsche Club Graz und im Porsche Classic Club Österreich. Er betrachtet die Clubs nicht nur als Clubs, sondern vor allem als Porsche Freunde. „Denn ohne die Menschen sind die Fahrzeuge nur Fahrzeuge, der Mensch ist das Entscheidende. Die Menschen erwecken die Fahrzeuge erst zum Leben. Er hat sie gebaut und er fährt sie.“ Zum Porsche Community Management hält er intensiven Kontakt. Er ist ein Freund des Hauses – so, wie das Ferry Porsche sich immer vorgestellt hat. Vor einigen Jahren bereits wurde er als besonderer Markenbotschafter vom Porsche Community Management geehrt. Zudem pflegte er früher ein gutes Verhältnis zu Prof. F.A. Porsche, tauschte sich in Zell am See gerne mit Gerhard Porsche aus und auch Dr. Wolfgang Porsche ließ es sich nicht nehmen bei der Werksabholung des 80. Fahrzeuges anwesend zu sein und dem Jubilar persönlich zu gratulieren.

Aber ein Sammler ist ein Sammler und der kennt keinen Stillstand. Seine nächsten Ziele: Kilometer sammeln und vollends die gesamte Strecke der Panamericana zu fahren. Die Hälfte hat er bereits gemeistert, die zweite Runde soll über 23.000 Kilometer gehen und Alaska und die halben Vereinigten Staaten umfassen. Und er will 2022 wieder einen Porsche in Zuffenhausen abholen. „Wenn man 80 Jahre alt ist, denkt man nicht mehr so sehr an die Vergangenheit – eher an die Zukunft. Man freut sich auf zukünftige Dinge.“ Denn das nächste Jubiläum ist schon in Sicht: 50 Jahre Porsche Kunde zu sein. „Da ich meinen ersten Porsche 1972 gekauft habe, wäre das 2022.“

So schließt sich der Kreis aus der Vergangenheit zum Jetzt: Aus der Lust am Sammeln wurde eine Leidenschaft für Porsche. Aus einer Leidenschaft eine Erfüllung. Aus der Erfüllung wurden 50 Jahre Markenverbundenheit und Porsche Clubmitgliedschaft. Was wäre Ottocar ohne seine Porsche? Die Frage ist eher, was wäre Porsche ohne Porsche Clubmitglieder wie Ottocar, die die Fahrzeuge zum Leben erwecken? Dann wären Fahrzeuge – nur Fahrzeuge.

Text: Porsche AG, Bilder Karsten Horn für die Porsche AG

Entnommen aus:
Porsche Club News Online 11 2020

 

 

 

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