Skip to main content

Am Donnerstag, dem 19. Juni machten sich die beiden motorsportaktiven „Grand Senieurs“, H.-D. Wessel und M. Niemeyer auf den Weg nach Marktdredwitz, um den wunderschönen weißen Porsche 356 B 1600 Super Cabriolet, Baujahr 1959, der bei einem guten Bekannten untergestellt war, abzuholen und es für die gemeldete Historic-Rallye SECHSÄMTERLAND classic 2008 startfertig zu machen. Es galt, die notwendigen Gerätschaften wie Tripmaster, Schnittrechner und diverse Stoppuhren auf ihre Funktion zu überprüfen und sich mit ihrer Bedienung vertraut zu machen. Dies war ein wichtiger Punkt, sind die beiden doch erst das 2. Mal als Rallye-Team zusammen.

Am Freitagnachmittag begann ab 15:00 Uhr die SECHSÄMTERLAND classic mit der technischen und administrativen Abnahme und vor allem mit der Austeilung des Roadbook. Dies zu studieren, insbesondere die Prüfungen des ersten Tages, war jetzt die vordringlichste Aufgabe vor der Fahrerbesprechung um 17:30 Uhr. Es wurde dann schnell klar, dass dies keine Ausflugsfahrt werden würde.

Als Startnummer 16 ging es pünktlich um 18:16 Uhr von der Startrampe in der Wunsiedler Jean-Paul-Strasse zu ersten Etappe über 83 km mit einer Bergprüfung, zwei Orientierungsprüfungen, diversen Sollzeitprüfungen mit vorgegebenem Schnitt und einem Markplatz Grand Prix in Weißenstadt.

Der erste Tag endete nach ca. 2,5 Stunden auf der Startrampe in Wunsiedel mit einem Glas Sekt für die „Grande Pilota/Co-Pilota“ und dem guten Gefühl, alles oder fast alles anständig und mit höchster Konzentration erledigt zu haben.

Im Hotel angekommen wurde dann noch vor dem Nachtmahl das Roadbook mit den Aufgaben des nächsten Tages sorgfältig gemeinsam durchgearbeitet, schwierige Passagen identifiziert und gekennzeichnet sowie die erforderlichen Schnitte bzw. Sollzeiten ausgerechnet.

Am zweiten Tag, Samstag, dem 21. Juni begann es für uns wieder um 9:16 Uhr und ging über insgesamt 260 km. In deren Verlauf zwei sehr diffizile Orientierungsprüfungen – hier war sich jeweils nach einer schwer lesbaren Karte mit angedeuteter Streckenführung zwischen Start und Ziel zu orientieren und im Verlauf der Strecke sich irgendwo befindende Zeichen auf der Bordkarte zu vermerken. Zahlreiche Sollzeitprüfungen waren zu bestehen, die übergangslos in die nächste Etappe mündeten, meist mit schnell folgenden Richtungsänderungen. Diese Überführungsetappen mit relativ hohen Schnitten und vielen Abzweigungen führten uns kreuz und quer durch das wunderschöne Fichtelgebirge und darüber hinaus. Mal über den „Großen Waldstein“ in die Gegend westlich von Hof mit einer Mittagspause im Ostermaiers’s Waldeck bei Edlendorf, dann in die Tschechische Republik nach Frantiskovy Lazne. In diesem wunderschön restaurierten Bäderort mit seinen Prachtbauten aus der Wilhelminischen Zeit hatten wir unsere Kaffeepause, nicht ohne vorher zu vorgegebener Sollzeit die Bordkarte zu stempeln und eine neue Startzeit eintragen zu lassen.

Genießen konnten Fahrer und Co-Pilot diese wunderschönen Pausenorte nicht so recht, die andauernde und hohe Konzentration und auch die Erkenntnis, dass an diesem zweiten Tag nicht alles so „rund“ lief wie am Freitag, ließ uns nicht los. Und – ehrgeizig wie wir alten Zauseln nun mal sind – waren wir mit unserer Leistung nicht immer zufrieden.

Die letzte Etappe über 35,3 km von Frantiskovy zurück nach Wunsiedel auf die Startrampe wurde dann neutralisiert, war aber auch nicht sehr anspruchsvoll. Der Sekt zur erfolgreichen Ankunft stieg uns sofort in den Kopf, glättete die sorgenvollen Gehirnwindungen und ließ uns wieder etwas zufriedener auf das Geschehene blicken. Der Porsche 356 war in einer hervorragenden Verfassung und hat die ganze Rallye über keinerlei Probleme bereitet. Die Besatzung hat sich wacker geschlagen und das erforderliche Maß an Harmonie und Kommunikation auch in kritischen Situationen bewahrt.

Da Horst zum PCD Club Cup zum Salzburgring musste und ich nach Hause, haben wir die sehr späte Bekanntgabe der Ergebnisse nicht abgewartet. Mit einem Pokal haben wir auch nicht gerade gerechnet.

Am übernächsten Tag erfuhren wir dann, dass wir den 3. Platzt in der Wertung unserer Klasse 5 (Baujahr 1941 bis 1959) errungen haben. Sogleich machte es „Klick“ in unseren Köpfen und die Lust auf ein gemeinsames Mehr – natürlich unter Ausmerzung der erkannten Fehler und Unzulänglichkeiten (Mensch und Equipment!) – gewann wieder die absolute Oberhand.

M. Niemeyer