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In knapp 2,5 Stunden erreichten wir Düsseldorf und fuhren gleich zum Meilenwerk. Es wäre doch schade gewesen den ganzen Tag auf der Königsallee zu verbringen wo doch vielleicht das schon lange gesuchte Auto in diesem bestbekannten Showroom zum Verkauf angeboten wird. Man kann ja nie wissen. Das Fahrzeug gab es nicht, dafür aber etwa fünfzig andere, schön aufgereihte und auf Hochglanz polierte, meist sportliche Oldtimer.

Aber was tut man außerdem in Düsseldorf bei 39,5° im Schatten an einem 2. August ?Nun, für diejenigen die es noch nicht wissen, etwa 30 Kilometer westlich vom Rhein entfernt liegt Schloß Dyck. Und dort findet jedes Jahr ein Event statt, das seinesgleichen auf dieser nördlichen Halbkugel sucht.

Hunderte Klassiker kommen drei Tage lang in den riesigen Schloßpark zusammen, säuberlich sortiert nach Alter, Zustand, Historie und Seltenheit. Berühmte Rennautos aus den dreißiger, Nobelkarossen und Sportwagen, Wirtschaftswunderautos und Biederfabrikate geben sich dort Stelldichein, begleitet von ihren stolzen Eigentümern, oft gekleidet in originaler, zeitgenössischer Kleidung.Und das wollten wir uns ansehen. Zum zweiten Mal.

 

Best of show. Drei Dutzend hochkarätige Nobelkarossenparkten schön aufgereiht auf dem feinen Schloßrasen. Die akribisch ausgesuchte Jury hatte mit Sicherheit kein leichtes Spiel.

 

Ein Horch Kabriolet Typ 850. Nur Millionäre wie Stahlgigant Krupp oder Thyssen, hohe Reichsfunktionnäre oder Filmschauspieler wie Hans Albers oder Rennfahrer Bernd Rosemeyer konnten sich derartige Wagen leisten. Für den Preis eines solchen Unikats bekam man damals ein schmuckes Einfamilienhaus. Und heute ? So um die 850.000 € etwa, also immer noch.

 

Na sowas ! Da hatte ja nicht jemand die Unverschämtheit diese fast unbeachtete Krücke zwischen Mercedes 300 SL Flügeltürer und Bentley Front 34 Blower zu parken und das ausgerechnet noch im Areal vom « Best of Show ». Dieser schnöde 356er, Baujahr 1951, ein jedermann’s Fahrzeug, schon für lappige 150 Mille – oder weniger – zu haben, störte ungemein das doch so nobele Ensemble ausgestellter Pretiosen, deren Sammlerwert bei mindestens eine halbe Million – Tendenz nach oben - pro Einheit betrug. Eine Frechheit !

 

Sympatisch ! Dieser Uraltkäfer hatte es in sich. Es ist nämlich das älteste bekanntes Exemplar in Privathand. Baujahr 1938. KDF Prototyp (Kraft durch Freude) Typ 38. Da steckt noch richtig Porsche drin. Gefunden wurde dieses Exemplar, wenn ich mich recht erinnere, in Tschechien. Außer der Fahrgestellnummer war an diesem Blechhaufen nichts mehr original. Er wurde unter größtem Aufwand vor einigen Jahren restauriert. Das Resultat lässt sich sehen.

 

Copie ? Wer das glaubte hatte maßlos danebengehauen. This is one of the few !

 

 

Etwas abseits von der schicki-micki Gesellschaft durften sich die Clubfahrzeuge aufstellen. Wir fanden den deutschen Porsche 356er Club. Bei diesem sehr heißen und schwühlen Wetter scheuten sich viele Mitglieder ihre Fahrzeuge aus dem Schuppen zu nehmen. Das erklärt warum im Gegensatz zum letzten Jahr sich nur etwa 15 Autos zusammenfanden. Aber wir wurden nett empfangen und mit willkommenen Erfrischungen versorgt.

Text und Photos : Paul Decker