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Teile-Manufaktur in Bestform

Als relativ junger Club – gegründet im November 2011 stehen wir für den klassischen 911er bis zum 993. Unser Einzugsgebiet reicht vom Bodensee, Hochrhein, Bodensee-Oberschwaben, Donau-Iller, Schwarzwald-Baar-Heuberg, Südlicher und Mittlerer Oberrhein über Stuttgart, Neckar-Alb, Heilbronn-Franken bis hin zu Rhein- Neckar, Rhein-Main und dem Rheingau. Mit derzeit 120 Mitgliedern sind wir ein sehr schnell wachsender Club. Vielleicht deshalb, weil wir uns ganz intensiv um alle Belange rund um die 11er und deren Besitzer zu kümmern. So haben wir sehr früh begonnen unsere Stammtische als Roadshow zu gestalten. Ziel ist es die unterschiedlichen Regionen mit ihren tollen Lokalitäten und die jeweilige regionale Küche kennen zu lernen.

Zwar pflegen wir Essen und Trinken als gute Grundlage. Unsere Leidenschaft gilt jedoch vor allem informativen Themen um die klassischen 11er. So haben wir die sogenannten Themen-Stammtische eingeführt. Im Februar 2013 beispielsweise waren wir zu Besuch bei Firma Kingeter-Formen & Stanzen, seit 50 Jahren Lieferant für Porsche. Hier wurde die für uns wichtige Frage geklärt, wo eigentlich die Teile für unsere Klassiker heute herkommen.

Kingeter ist eine typisch schwäbische Musterfirma – sauber, organisiert und mit der speziellen Erfolgsmischung aus Innovation und Tradition. So sieht man hier die „brandneue“ Maschine neben einer stehen, die schon viele viele Jahre auf dem Buckel hat. „Manche Qualität ist heute einfach nicht mehr zu bekommen“, erklärt Thomas Kingeter, im Ehrenamt auch Präsident vom PC Göppingen. Viele Arbeitsschritte werden bei Kingeter aber auch manuell ausgeführt. Man könnte also fast von einer „Teile-Manufaktur“ sprechen – „weil es eben gut werden muss“. Und das ist kurz gesagt die Arbeitseinstellung von Thomas und seinem Team. Und nicht nur das – es macht auch allen Spass. Deshalb empfingen uns in Heiningen bei Göppingen nicht nur der Geschäftsführer, sondern auch seine ganze Familie – Hund inklusive. Alle hatten sichtlich Spaß mit dem ungewöhnlichen Porsche-Club, der eben auch mit Kind und Kegel anrückte.

Unsere Mitglieder erfuhren beispielsweise, wie aufwendig es ist, eine komplette Stoßstange für eine F-Modell zu fertigen.

Anhand einer neu gestanzten Stoßstangen, bestehend aus drei Teilen, wurden alle Arbeitsschritte erläutert. Nun ist jedem klar, warum diese Teile hochwertiger sind als andere. Welche Qualitätsschritte bei der Prüfung von gestanzten Teilen und der Werkzeug-Formen durchgeführt werden war ebenso Thema wie die Entstehung neuer Teile und deren Werkzeuge im CAD am Computer.

Kein Wunder, dass die geplante Zwei-Stunden-Führung heftig überzogen wurde.

 

Das Tempo im Blick

Werkstattbesuch beim Tachospezialisten

Auch unser zweiter Themen-Stammtisch 2013 führte uns zu einem ganz besonderen Anbieter. Diesmal führte unsere Ausfahrt nach Darmstadt zur Firma Wilhelm & Schmitt Mechanik, kurz WSM, seit über 25 Jahren anerkannter Tachospezialist. 1988 wurde das Unternehmenvon Jürgen Wilhelm (Feinmechanikermeister) und Harald Schmitt (Werkzeugmachermeister) gegründet. Beide waren zuvor viele Jahre bei VDO, einem weltweit vertretenen Instrumentenhersteller, in der Entwicklungswerkstatt tätig. Bei ihrer Arbeit an Instrumenten-Prototypen lernten sie das perfekte Zusammenspiel von Mechanik, Elektronik, Drucktechnik und Lichttechnik. Heute sind sie die Spezialisten für Instrumente in unseren alten 11ern. Und das mit einer Begeisterung, die ansteckt.

Fast jedes Instrument kann heute noch mit Original Ersatzteilen wieder instandgesetzt werden. Was es nicht mehr gibt, wird von WSM in Kleinserie nachgebaut. Verblüffende Information: Zifferblätter von Porsche haben sechs bis 12 Druckschichten! Transparenz Lichtdichte, Oberfläche und Farbton müssen auch nach der Restaurierung den ursprünglichen Vorgaben entsprechen. Jürgen Wilhelm: „Wir drucken diese Zifferblätter so, dass sie sowohl am Tag als auch bei Nacht dem Original entsprechen.“ Dafür müssen diverse Abdunkelungsdrucke gemacht werden, um ungleiche Lichtverhältnisse im Instrument auszugleichen. Harald Schmitt ergänzt: Das ist ein Aufwand, den nicht jeder betreibt.“ Bei älteren Durchlicht-Ziffernblätter beispielsweise reisst häufig alterungsbedingt die Druckfarbe auch die Haftung auf dem Trägermaterial lässt nach. Mit unterschiedlichen Verfahren bis hin zur Pixelreparatur behebt WSM das Manko.

Klassische Aufsichtziffernblättern, zum Beispiel von unseren G-Modellen, werden neu aus Blech gestanzt. Sie werden bei einer Restaurierung neu grundiert und lackiert.

Die Ziffern werden nach dem Bedrucken mit einem speziellen dünnen Klarlack versehen, der die Oberfläche reflektionsarm mit einen seidenmatten Glanz wirken lässt. Dadurch werden Spiegelungen weitgehend vermieden. Hoppla-Hopp-Reparaturen lehnen die Beiden ab: „Es macht keinen Sinn ein filigranes Instrument nur partiell zu reparieren. Wir überholen es komplett und liefern natürlich mit Garantie."

Was es nicht mehr als Originalteil gibt, wird nach Originalvorlagen selber nachgebaut.

Das gilt für das Innenleben eines Tachometers mit Schnecken und Zahnraduntersetzungen für den Wegstreckenzähler ebenso wie die Welle, die bei mechanischen Tacho und Drehzahlmesser die Nadel antreibt. Auch der Magnet für das zum Wellenantrieb nötige Wirbelstromfeld der unter einer Aluminiumglocke sitz und gegen eine Feder arbeitet, kann von WSM repariert oder ersetzt werden. Wir waren so begeistert, dass einige von uns erst um 23:00 Uhr das Gelände verließen.


09.12.2013

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