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Prolog:

Da besitzt man nun einen Porsche älteren Semesters, der nun endlich in die Kategorie „Youngtimer“ fällt! Und so beginnt der frisch gebackene Youngtimerbesitzer Ulrich Jager über die Umsetzung seines langjährigen Traumes nachzudenken: Teilnahme an Oldtimer-Rallyes!

 

Was braucht man dazu alles, außer dem passenden Auto?

Einen Fahrer, einen Beifahrer, diverses hilfreiches Equipment, wie Tripmaster, Stoppuhr, Funkuhr, Schnitttabelle, Rechenhilfen nach Belieben (Taschenrechner, Laptop,...), Schreibzeug - und eine gewisse Vorstellung, wie das Ganze funktioniert.

 

Und schon geht‘s los! Das Equipment ist bald beschafft - etwas schwieriger gestaltet es sich, seine Frau davon zu überzeugen, dass es toll ist, Beifahrerin zu sein und künftig ein paar Tage im Jahr damit zu verbringen, im Auto durch die Gegend gefahren zu werden und dabei anhand von Roadbooks den richtigen Weg zu diktieren, diesen dann mit vorgegebenen Schnittgeschwindigkeiten sekundengenau zurück zu legen, und so an den geheimen Kontrollen zum passenden Zeitpunkt vorbei zu flitzen.

 

Nachdem auch diese herausfordernde Aufgabe gemeistert ist und die Frau endlich ihr okay zur Beifahrerrolle gegeben hat, kann‘s nun wirklich losgehen: Die erste Rallyenennung verlässt das Haus!

Ziel: Die 15. Bodensee-Oldtimerrallye vom ADAC Ortsclub Friedrichshafen e.V.

Motto: Mal schauen, was bei raus kommt! Nicht Letzter werden!

 

Akt 1: Freitag 4.7.14 - Schreck am Abend

Ab 17 Uhr besteht die Möglichkeit zur Papierabnahme am „Basislager“, sprich der Neuen Messe Friedrichshafen.

Schon um 17:10 herrscht reges Treiben, was daran liegt, dass um 18 Uhr Anpfiff des WM-Viertelfinalspiels Deutschland - Frankreich ist.

Nach problemloser technischer Abnahme geht‘s dann auch gleich nach Erhalt des Roadbooks auf die Kalibrierungsstrecke, auf der man der Tripmastereinstellung den letzten Feinschliff verpasst.

Nach 500m dann der erschreckende Anblick: Aus der Traum! Ein wohl bekannter Porsche mit Startnummer 6 und abgebrochener Omegafeder steht traurig auf einem ADAC-Abschleppwagen - daneben Ingo, der gerade alles versucht, dass sein Fahrzeug bis zum nächsten Morgen trotz Fussballspiel wieder einsatzfähig sein wird. Ein dickes Lob an die Firma Sportwagen-Service Krämer! Sie macht das Unmögliche möglich: Ein nicht vorhandenes Ersatzteil wird kurzerhand aus dem eigenen Fahrzeug ausgebaut und Manuel und Philipp Krämer nutzen die Halbzeitpause zur Rettung der Rallyeteilnahme von Ingo Aust und Peter Stifel.

 

Akt 2: Samstag 5.7.14 - ein langer Tag

Start ist früh um 8:00 Uhr an der Neuen Messe mit gemeinsamem Frühstück und Fahrerbesprechung. Um 8:45 geht es bei regnerischem Wetter weiter mit dem Vorstart des ersten Fahrzeugs, das dann pünktlich um 9:01 von der Startrampe am Zeppelinmusem rollt.

Über schönste Rallyesträsschen geht die Fahrt nach Roadbook in Richtung der ersten Wertungsprüfung. 3,1 km mit den Schnitten 35/30/25 km/h und geheimer Zeitkontrolle liegen vor uns. An der Zeitkontrolle steigt die Spannung: wird es gelingen, die Theorie in die Praxis umzusetzen? Drei, zwei, eins, null - Los geht‘s! Und schon nach einigen hundert Metern wird klar: Es ist durchaus nicht ganz so einfach, Navigation und Schnittkontrolle gleichzeitig im Griff zu haben...

Ergebnis: wir sind am Ende der WP1 angekommen - aber mit 23s Abweichung an der geheimen Lichtschranke sind wir nicht so ganz zufrieden.

Schon kurz darauf folgt WP2: 8,6 km mit Schnitten von 30/40/35 km/h.

Ergebnis: eine leicht überforderte Beifahrerin und 35 Strafsekunden.

 

Die schöne lange Mittagspause in Hüttenreute nutzen wir dann zum einen zu diversen Benzingesprächen und zum anderen zur Weiterentwicklung unserer WP-Strategie.

Voll Optimismus machen wir uns auf die Weiterfahrt. Schon bald lernen wir, dass auch das Umblättern im Roadbook Gefahren birgt: Nur umschlagen genügt nicht - man muss auch auf der richtigen Seite weiterlesen! Aber der Fehler ist schnell entdeckt und korrigiert. Und schon geht‘s weiter auf die 3. WP: 9 km lang, mit Schnitten von 35/40/30 km/h. Ergebnis: diesmal scheint‘s deutlich besser funktioniert zu haben, als die beiden ersten WPs. Und abends erfahren wir: tatsächlich nur 4,5s Abweichung - Das hätten wir nicht zu hoffen gewagt!

Gegen 16:30 sind wir am Ziel am Zeppelinmuseum, mitten in der Fussgängerzone von Friedrichshafen. Eine größere Menge Schaulustiger beobachtet den Zieleinlauf und das in der Fußgängerzone geparkte Teilnehmerfeld.

 

Abends geht es dann zu Benzin- und anderen Gesprächen zum festlichen Abendessen ins Messerestaurant.

Zuvor gibt‘s natürlich die voll Spannung erwarteten Zwischenergebnisse.

Ingo und Peter liegen mit ihren sehr guten WP-Durchgängen klar auf Platz 1 in der Youndtimerklasse, während das Team Jager in derselben Klasse den 4. Platz belegt. Im Gesamtklassement bedeutet das: Team Aust/Stifel: Platz 8, Team Jager: Platz 27.

 

Akt 3: Sonntag 6.7.14 - eine böse und eine schöne Überraschung!

Der Tag beginnt mit einer Sonderprüfung, bei der zwei Runden um eine Grünanlage mit gleicher, selbstgesetzter Geschwindigkeit zurückgelegt werden müssen. Hierbei schafft das Team Aust/Stifel hervorragende 0,1s Abweichung. Auch die 0,4s Differenz von Team Jager können sich ohne Probleme sehen lassen.

Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein geht es dann gegen 9:30 Uhr auf die letzte Etappe in Richtung Allgäu. Die Straßen sind wieder perfekt gewählt und die Fahrt wunderschön. Noch eine letzte WP erwartet uns an diesem Vormittag, allerdings mit 12 km die längste Prüfung und auch die, mit den meisten Schnittwechseln (25/40/30/35/30 km/h).

Und schon geht‘s in die Prüfung! Ergebnis: Das war doch gar nicht schlecht! Die weiterentwickelte Strategie scheint zu funktionieren. Nur, dass die Lichtschranke so bald nach dem Abzweig kam, war nicht ganz so toll. Wir waren ja noch dabei den Geschwindigkeitsverlust vom Abbiegen zu kompensieren! So 6s werden wir uns eingesammelt haben - aber das ist bei 12 km Streckenlänge doch ganz in Ordnung!

Und weiter geht‘s über schönste Rallyestecken in Richtung Ziellinie in Friedrichshafen, die wir mit dem Zwölfuhrschlag überqueren.

Erwartet werden wir von zwei niedergeschlagenen Clubkameraden: Sie ahnen bereits, dass eine Fehleinschätzung von WP4 sie mit einer größeren Anzahl von Strafsekunden um den Klassensieg gebracht hat und daher sind sie entsprechend enttäuscht. Fazit der Unglücklichen: Auch eine gut überlegte Strategie kann von der Wirklichkeit eingeholt werden; die Erfahrung wird jedoch beim nächsten Mal die Strategie verbessern!

 

Trotzdem genießen wir das gemeinsame Abschlussmittagessen im Messerestaurant und den Rückblick auf 2 sehr schöne und ereignisreiche Tage.

 

Und wieder steigt die Spannung, denn das Endergebnis wir sehnsüchtig erwartet!

Und siehe da: Die Befürchtungen von Ingo und Peter bewahrheiten sich! Mit 84s in WP4 langt es nach einem vielversprechenden Platz 8 am Ende des ersten Tages dann doch nur zu einem Platz 32 im Gesamtklassement.

 

Gleichzeitig folgt die große Überraschung für Team Jager! Statt der vermuteten 6s Abweichung, wurden nur 1,4s Abweichung gemessen! Damit reicht es im Gesamtklassement für Platz 24 von insgesamt 64 Startern und in der Youngtimerklasse mit 0,3s Vorsprung zu Platz 4. Zu unserer völligen Überraschung werden wir bei der abschließenden Siegerehrung aufgerufen und bekommen für unseren 4. Platz einen Pokal.

... Und so wird man plötzlich zum stolzen Oldtimerrallyepokalbesitzer!

Epilog:

Die 15. ADAC-Bodensee-Oldtimerrallye war eine sehr gelungene Veranstaltung. Bestens organisiert und über perfekte Strecken durch schöne Landschaften - und das bei moderatem Nenngeld.

Die Rallye hatte ein kunterbuntes Teilnehmerfeld, was nicht nur die Farben, sondern auch die Markenvielfalt, das Fahrzeugalter und auch auf die Fahrer/Beifahrer selbst zutrifft. Entsprechend unterhaltsam waren die Gespräche mit den stolzen Fahrzeugbesitzern.

Fazit:

Das Wochenende war schön und kurzweilig, aber durchaus auch anstrengend. In unser neues Hobby werden wir schon Ende September bei der Käthchen Classic in Heilbronn weiter einsteigen - getreu unserem Motto: Mal schauen, was bei raus kommt! Nicht Letzter werden!

(Autor: Daniela Jager)


04.07.2014

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